Bulgarien – eine kulinarische Reise durch mein Heimatland

Wenn ich an Bulgarien denke, denke ich zuerst an Veliko Tarnovo. An die Häuser, die wie Schwalbennester an den Hügeln kleben. An die Festung Zarewez, die über allem wacht. Und an den Duft von frisch gebackenem Brot, der durch die kleinen Gassen zieht. Ich bin dort aufgewachsen – im Norden des Landes – und vielleicht schmecke ich Bulgarien deshalb immer ein bisschen von hier aus.

Aber lasst uns gemeinsam losziehen. Von West nach Ost. Und dann von Nord nach Süd. Durch mein Land. Durch meine Küche.

Der Westen – Sofia und die ersten Aromen

Wenn ich nach Sofia fahre, fühlt sich das immer ein bisschen großstädtisch an – aber trotzdem vertraut. Die Hauptstadt liegt eingebettet zwischen Bergen, und man spürt dieses Erdige, dieses Bodenständige auch im Essen.

Morgens hole ich mir dort gern eine warme Baniza. Knuspriger Teig, geschmolzener Sirene, manchmal ein Hauch Joghurt dazu. So beginnt man in Bulgarien einen Tag. Nicht mit Smoothie. Sondern mit etwas, das satt macht.

Natürlich darf der Schopska-Salat nicht fehlen. Tomaten, Gurken, Paprika, Zwiebeln – und dieser salzige, krümelige Käse obendrauf. Viele sehen darin nur einen Salat. Für mich ist das ein Stück Zuhause auf jedem Tisch des Landes.

Fährt man weiter Richtung Rila-Gebirge, wird das Essen kräftiger. In den Bergen brauchen wir Gerichte, die wärmen: Kapama im Tontopf, langsam geschmort. Das ist kein schnelles Essen. Das ist Sonntagsessen. Familienessen.

Mein Norden – Veliko Tarnovo und die ehrliche Küche

Und dann komme ich zurück nach Tarnovo.

Veliko Tarnovo ist nicht nur eine der schönsten Städte Bulgariens – sie ist die alte Hauptstadt. Geschichte liegt hier in der Luft. Und vielleicht schmeckt man das sogar ein bisschen.

Hier oben in Nordbulgarien ist die Küche ehrlich. Rustikal. Ohne Schnickschnack. Ich erinnere mich an Bob Chorba, wie meine Großmutter sie gekocht hat – eine einfache Bohnensuppe, aber mit so viel Tiefe und Wärme, dass sie mehr war als nur ein Gericht. Sie war Fürsorge.

In den kleinen Restaurants mit Blick auf den Fluss Jantra bekommt man gegrilltes Fleisch, frisches Brot, Ljuteniza und hausgemachten Rakija. Man sitzt lange. Man redet viel. Niemand hat es eilig.

Das ist für mich Tarnovo: gutes Essen, das verbindet.

Der Osten – Das Schwarze Meer und Sommer auf dem Teller

Wenn wir weiter nach Osten fahren, verändert sich alles. Die Luft wird salziger, leichter. Sobald ich das Schwarze Meer sehe, weiß ich: Jetzt beginnt der Sommer.

In Varna oder Nessebar esse ich am liebsten frischen Fisch – simpel gegrillt, mit etwas Zitrone. Dazu Shopska oder Tarator, unsere kalte Joghurtsuppe mit Gurke und Dill. An heißen Tagen gibt es nichts Besseres.

Am Meer wird langsamer gegessen. Mit Blick auf das Wasser. Mit einem Glas Weißwein aus der Region. Bulgarien ist übrigens ein unterschätztes Weinland – besonders im Osten wachsen wunderbare Rebsorten.

Der Süden – Würze, Sonne und Rodopen-Seele

Im Süden wird das Essen intensiver. Wärmer. Paprika spielt eine große Rolle. In Plovdiv – einer Stadt, die älter ist als viele denken – trifft Tradition auf moderne Küche.

Hier liebe ich Kavarma: Fleisch, Zwiebeln, Paprika, alles im Tontopf geschmort. Würzig, weich, aromatisch.

Noch weiter südlich, in den Rhodopen, wird es ursprünglicher. Dort gibt es Patatnik – ein Kartoffelgericht mit Kräutern, außen knusprig gebraten. Einfach, aber unglaublich gut. Und wenn irgendwo Kebaptsche auf dem Grill brutzeln, weiß man: Gleich wird gelacht, geredet, geteilt.

Warum ich darüber schreibe

Vielleicht versteht man jetzt besser, warum ich diesen Blog schreibe.

Bulgarisches Essen ist für mich keine „Küche“ im klassischen Sinne. Es ist Erinnerung. Es ist Familie. Es ist Veliko Tarnovo an einem warmen Abend, wenn die Lichter der Festung leuchten und irgendwo jemand den Grill anwirft.

Ich möchte zeigen, dass Bulgarien mehr ist als ein Punkt auf der Landkarte oder ein Urlaubsziel. Unsere Küche erzählt von Bergen, von Meer, von Feldern – aber vor allem von Menschen.

Und jedes Rezept, das ich hier teile, beginnt im Grunde dort, wo ich herkomme:
in Veliko Tarnovo.

Mit einer Bohnensuppe.
Mit einem Stück Brot.
Mit einem gedeckten Tisch.

Und vielleicht sitzt ihr beim nächsten Mal mit am Tisch.